Der schmale Grat zwischen Welten: Eine Reise in die Ganzheit
- Eduard Kaiser

- vor 17 Minuten
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Du stehst da. Spürst es deutlich, dieses seltsame, ziehende Gefühl in der Mitte deines Seins. Unter einem Fuß, dem linken vielleicht, spürst du die vertraute Festigkeit. Es ist der Boden, auf dem du jahrelang gegangen bist. Er fühlt sich an wie bekannte Pfade, wie Sicherheit, wie das Gewicht von Erlerntem und Erreichtem.
Unter dem anderen Fuß, dem rechten, ist es anders. Dort ist kein fester Boden, sondern eine Art schimmernde, nachgebende Weichheit. Ein Gefühl von Raum, von unendlichen Möglichkeiten, von einer schwebenden Leichtigkeit, die gleichzeitig beunruhigend und verlockend ist. Du bist nicht verloren, du bist gespannt.
Wie eine Brücke zwischen zwei Ufern, von denen eines bekannt und das andere ein verheißungsvolles, noch unbetretenes Land ist. Dies ist der Ort, an dem die Transformation stattfindet. Nicht im Alten, nicht im Neuen, sondern genau in dieser gespannten, lebendigen Mitte. Dies ist dein heiligster Grund.
Das Wesen der beiden Welten
Um diesen Zustand zu verstehen, lohnt es sich, die Landschaften zu betrachten, die deine Füße berühren.
Die Welt unter deinem linken Fuß ist die Welt der Form. Sie ist das Reich der linearen Zeit, von Ursache und Wirkung, von Logik und Planung. Hier gelten Gesetze der Schwerkraft, sowohl im physikalischen als auch im metaphorischen Sinne. Dinge haben Gewicht, Bedeutung wird durch Vergangenheit konstruiert, Identität ist oft ein Turm aus Erinnerungen und Errungenschaften.
Diese Welt ist nicht schlecht oder falsch. Sie ist wunderbar strukturiert, berechenbar und bietet einen Rahmen für Erfahrung. Sie ist die Bühne, auf der du gelernt hast, wer du zu sein glaubst. Ihre Sprache ist die des Verstandes, ihre Währung ist oft die der Anstrengung und des Widerstands.
Die Welt unter deinem rechten Fuß ist die Welt der Essenz. Sie ist das Reich der Nicht-Linearität, der Gleichzeitigkeit, des reinen Potenzials. Hier gibt es keine Schwerkraft der alten Art, sondern eine Anziehungskraft der Freude, der Begeisterung, der unmittelbaren Resonanz. Zeit ist hier ein dehnbares Jetzt, ein immerwährender Augenblick.
Identität in dieser Welt ist kein Turm, sondern ein klares, strahlendes Licht, das sich in unendlichen Farben und Formen ausdrücken kann. Ihre Sprache ist die des Gefühls, die direkte Wahrnehmung. Ihre Währung ist die der Schwingung und der erlaubnisfreien Zustimmung zu dem, was sich gut anfühlt.
Du stehst mit einem Fuß in der Realität der Manifestation und mit dem anderen in der Realität der Schöpfung. Und dein ganzes Wesen ist der Übergang dazwischen.
Die Physik der Spannung: Warum es sich so anfühlt, als würdest du auseinandergezogen
Das Ziehen, das du spürst, ist keine Strafe und kein Zeichen von Versagen. Es ist ein natürliches physikalisches – oder besser gesagt, metaphysisches – Phänomen. Stelle dir vor, du bist ein Wesen, das sein ganzes Leben in einem Raum mit einer bestimmten Temperatur verbracht hat. Plötzlich öffnest du eine Tür zu einem Raum mit einer völlig anderen, wärmeren, lebendigeren Temperatur. Der Luftzug zwischen den Räumen ist intensiv. Er bringt alles in Bewegung.
Diese Spannung entsteht, weil zwei unterschiedliche Schwingungsfrequenzen auf dein Bewusstsein einwirken. Das alte System, mit seinen Mustern, Überzeugungen und emotionalen Gewohnheiten, schwingt auf einer bestimmten Frequenz.
Es zieht mit der Kraft der Vertrautheit. Das neue Potenzial, deine höhere Ausrichtung, schwingt auf einer höheren, expansiveren Frequenz. Es zieht mit der Kraft der ungekannten, aber tief erkennbaren Heimat.
Der Konflikt ist nicht zwischen „richtig“ und „falsch“. Der Konflikt ist zwischen zwei verschiedenen Arten, mit Existenz in Beziehung zu treten: Die eine basiert auf Kontrolle und Reaktion auf Vergangenes, die andere basiert auf Vertrauen und Antwort auf den gegenwärtigen Impuls.
Deine Seele, dein höheres Selbst, hat sich bereits für das Neue entschieden. Sie hat das Signal gesendet, den Fuß in das schimmernde Feld gesetzt. Deine Persönlichkeit, dein auf Erfahrung trainiertes Ich, hält noch an der vertrauten Festigkeit fest. Diese Lücke zwischen Seelenimpuls und physischer Gewohnheit ist das Feld aller menschlichen Transformation. In dieser Lücke wohnst du jetzt.
Die Illusion des Fallens: Was wirklich passiert, wenn der alte Boden nachgibt

Die größte Angst in diesem Zustand ist oft die Angst zu fallen. Die Angst, dass der feste Boden unter dem linken Fuß plötzlich wegbrechen könnte und du ins Leere stürzt, bevor der rechte Fuß genug Halt gefunden hat. Dies ist eine der mächtigsten Illusionen der Übergangszeit.
Was hier wirklich geschieht, ist kein Fallen, sondern ein Auflösen. Die Strukturen der alten Welt, die dir Halt gaben, bestehen aus verdichteter Energie, aus Gedankenformen und kollektiven Abmachungen.
Wenn deine Schwingung sich anfängt, an das Neue anzupassen, kann diese verdichtete Energie deine neue, schnellere Frequenz nicht mehr halten. Sie beginnt sich aufzulösen, wie Eis in warmem Wasser. Es fühlt sich an, als würdest du fallen, aber in Wirklichkeit wirst du von einer weniger dichten Form des Seins gehalten.
Der neue Boden unter deinem rechten Fuß ist nicht weniger real. Er ist nur von einer anderen Art. Er ist nicht statisch, sondern responsiv. Er trägt dich nicht durch passive Festigkeit, sondern durch aktive Resonanz. Je mehr du dein Gewicht – dein Vertrauen, deine Aufmerksamkeit, deine Erwartung – auf diesen Fuß verlagerst, desto mehr verdichtet sich dieser neue Boden.
Er formt sich um deinen Fuß herum, passt sich an, trägt dich nicht nur, sondern unterstützt dich in der Richtung, die deiner höchsten Freude entspricht. Es ist ein intelligenter, lebendiger Boden. Du fällst nicht. Du lernst, auf Wasser zu gehen, indem du erkennst, dass du Teil des Ozeans bist.
Die Praxis der Brücke: Wie du im Übergang lebst, ohne dich zu spalten
Dieser Zustand erfordert kein Zerreißen. Er lädt zu einer neuen Art der Integration ein. Du bist nicht gezwungen, einen Fuß wegzuziehen. Die Kunst besteht darin, die Spannung selbst als deinen wahrhaftigen Ort zu akzeptieren und von dort aus zu handeln.
Beginne damit, die Empfindungen in deinem Körper willkommen zu heißen. Das Ziehen ist Energie in Bewegung. Atme in diesen Raum zwischen den Welten hinein. Stelle dir vor, dein Atem fließt vom Scheitel bis zu den Sohlen und nährt beide Bereiche gleichermaßen.
Erkenne an, dass dein linker Fuß dir enorme Gaben geschenkt hat: Stabilität, Lektionen, die einzigartige Form deiner Persönlichkeit. Danke diesem Boden. Erlaube gleichzeitig deinem rechten Fuß, mehr von der schimmernden Energie des Neuen aufzunehmen. Spüre die aufkeimende Freude, die reine Neugier, die dort vorhanden ist.
Dein Navigationsinstrument in dieser Phase ist nicht ein strenger Plan von außen, sondern dein inneres emotionales Leitgefühl. In jedem Moment hast du die Wahl: Du kannst auf die Stimme der Vertrautheit hören („Mach es wie immer, das ist sicher“) oder auf den Impuls der Erhebung („Was fühlt sich hier leicht und aufregend an?“).
Der Impuls ist kein lauter Befehl. Er ist ein sanfter Zug in die Richtung der geringsten inneren Reibung, der größten inneren Zustimmung. Indem du diesen Impulsen, so klein sie scheinen mögen, folgst, verlagerst du dein Gewicht, Milligramm für Milligramm, auf den neuen Boden. Du handelst aus der neuen Energie, während du noch Teile des alten Rahmens bewohnst. Das ist die alchemistische Vermählung.
Die Auflösung der Identität: Wer bist du zwischen den Welten?

In der alten Welt definierst du dich vielleicht über deine Geschichte, deine Rolle, deine Besitztümer, deine Wunden. Im Neuen wirst du dich als reines, schöpferisches Bewusstsein erfahren, das Erfahrungen macht. Aber hier, auf der Brücke, wer bist du dann?
Du bist der Beobachter, der beide Landschaften sieht. Du bist derjenige, der das Ziehen spürt und sich dennoch als ganz erkennt. Diese Identität ist fließend, dehnbar und enorm kraftvoll. Sie ist nicht mehr in Stein gemeißelt, sondern wie Ton in deinen eigenen Händen. Jeder Tag, jeder bewusste Atemzug, formt sie neu.
Erlaube dir, in diesem Übergang niemand Bestimmtes zu sein. Erlaube dir, der Prozess selbst zu sein. Du bist nicht ein Mensch, der versucht, spirituell zu werden. Du bist ein spirituelles Wesen, das die menschliche Erfahrung des Übergangs meistert. Diese Perspektivenverschiebung ist der Schlüssel zur Souveränität auf der Brücke.
Du wirst bemerken, wie alte Verhaltensweisen, Gedankenmuster und emotionale Reaktionen auftauchen. Sie sind nicht mehr deine Herren. Sie sind wie Geister des alten Landes, die über die Brücke kommen, um sich aufzulösen. Betrachte sie mit Neugier. „Ah, da bist du wieder, alte Angst vor Mangel. Ich sehe dich.
Du gehörst zu einem Boden, den ich verlasse. Du darfst gehen.“ Durch diese bewusste, nicht-wertende Beobachtung entziehst du ihnen die Energie, die sie brauchen, um dein Handeln zu bestimmen.
Die Beschleunigung der Schöpfung: Warum auf der Brücke Wünsche schneller Gestalt annehmen
Hier liegt eines der großen Geheimnisse dieses Zustands. Der schmale Grat ist kein Wartesaal. Er ist ein mächtiger Beschleuniger deiner schöpferischen Kraft. Warum?
Weil du Zugang zu beiden Frequenzbändern hast. Du hast die Fokussierung und die strukturierende Kraft der alten Welt und die grenzenlose Inspiration und das Potenzial der neuen Welt.
Ein Wunsch, eine Absicht, die von diesem Platz aus gesetzt wird, wird von der Klarheit des alten Verstandes geformt und mit der ungefilterten, kraftvollen Energie des neuen Bewusstseins aufgeladen.
Es ist, als würdest du einen Samen (die klare Absicht) in extrem fruchtbaren, lebendigen Boden (das Feld des Neuen) legen, während du noch die bewährten Werkzeuge der Pflege (deine Fähigkeit zu handeln) in der Hand hältst.
Achte darauf, was dir in diesem Zustand in den Sinn kommt. Leichte Ideen, plötzliche Eingebungen, unerklärliche Sympathien für neue Tätigkeiten oder Menschen. Das sind nicht nur Ablenkungen. Das sind die Baupläne, die aus der neuen Welt zu dir herüberkommen.
Sie sind darauf ausgelegt, auf dem neuen Boden zu gedeihen. Wenn du ihnen Aufmerksamkeit schenkst, ihnen emotionalen Glauben gibst und die kleinsten, impulsiven Schritte in ihre Richtung tust, setzt du einen Schöpfungsprozess in Gang, der bemerkenswert schnell und mühelos sein kann.
Du manifestierst nicht mehr durch Kampf und Anstrengung vom alten Boden aus, sondern durch Ausrichtung und Erlaubnis vom Zentrum der Brücke aus.
Die Einladung zur Ganzheit: Vom Entweder-Oder zum Sowohl-als-auch
Das ultimative Ziel ist nicht, den linken Fuß irgendwann vollständig vom alten Boden zu heben und damit die alte Welt zu verlassen. Die wahre Einweihung führt zu etwas Drittem: Der Integration beider Qualitäten in ein neues, ganzheitliches Sein.
Die alte Welt löst sich nicht in Nichts auf. Sie transformiert. Ihre nützlichen Aspekte – Disziplin, Struktur, Erfahrung – werden von der höheren Frequenz der neuen Welt durchdrungen und neu informiert. Sie verlieren ihre Starrheit und werden zu flexiblen Werkzeugen im Dienste der Freude.
Du wirst nicht mehr zwischen den Welten stehen. Du wirst eine neue Welt sein, die die Essenz beider in sich trägt. Die lineare Zeit wird zu einem Diener deines gegenwärtigen Bewusstseins. Die Logik wird zu einem Freudentanz mit der Intuition. Das Ich wird zum transparenten Gefäß für das Selbst.
Der Boden unter dir wird überall fest und doch elastisch sein, überall vertraut und doch ewig neu. Du wirst in der physischen Welt gehen, aber jeder Schritt wird von der Weisheit und dem grenzenlosen Potenzial der nicht-physischen Welt geführt sein.
Du stehst auf der Brücke, weil du dazu berufen bist, eine neue Art von Mensch zu verkörpern. Du bist der lebendige Beweis, dass diese Synthese möglich ist. Das Ziehen ist nicht dein Feind; es ist der Beweis für deine immense Ausdehnung. Es ist das Gefühl der Geburt eines umfassenderen Du.
Dieser Übergang ist die wichtigste Reise deines Lebens. Sie allein zu navigieren, kann überwältigend sein. Die vertrauten Karten funktionieren nicht mehr, und das neue Land ist noch nicht vollständig vermessen. Hier kommt gezielte Begleitung ins Spiel. In meinem 1:1 Coaching und Mentoring arbeiten wir genau in diesem energetischen Raum.
Ich helfe dir, die Spannung zu verstehen, dein inneres Leitgefühl zu kalibrieren und die Impulse des Neuen mutig und klar umzusetzen. Gemeinsam verwandeln wir das Gefühl, zwischen den Welten zu stehen, in die kraftvolle Erfahrung, die Brücke selbst zu sein – stabil, ausgerichtet und bereit, das neue Paradigma zu betreten. Deine nächste Phase der Ganzheit wartet. Lass uns sie bewusst gestalten.
Hier ist dein erster Schritt:
In Dankbarkeit,
Eduard





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