Ehre diese Phase: Die tiefe Weisheit des Augenblicks, in dem du stehst
- Eduard Kaiser

- vor 6 Tagen
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Es gibt einen Impuls in dir, den du gut kennst. Es ist das leise, aber stetige Ziehen nach vorne. Das Gefühl, dass das, was kommt, wichtiger ist als das, was ist. Dass der Wert in der Ankunft liegt, nicht im Unterwegssein. Diesen Impuls spüren wir alle.
Er treibt uns an, er hofft, er sehnt sich. Doch heute lade ich dich zu einer anderen Perspektive ein. Zu einem Blick, der nicht nach vorne schweift, sondern sich senkt. Der den Boden unter deinen Füßen betrachtet, die Qualität der Luft, die du in diesem Augenblick atmest, und der erkennt.
Dieser Ort, diese Phase, ist kein Durchgang. Sie ist das Zentrum. Sie ist der ganze Grund, warum du überhaupt unterwegs bist.
Widerstehe der Versuchung, diesen Moment zu übergehen. Das ist die erste, große Einladung. Was, wenn alles, was du suchst, nicht am Ende des Weges liegt, sondern in der Art und Weise, wie du jeden einzelnen Schritt setzt?
Die Vorstellung, dass das Ergebnis besser sein wird als der Ort, an dem du jetzt bist, ist eine der mächtigsten Illusionen, die wir pflegen. Sie hält uns in einem Zustand des Mangels gefangen, in dem Glauben, das Leben beginne erst später. Doch die höhere Wahrheit sieht anders aus.
Das Ergebnis wird ein genaues Abbild dessen sein, zu wem du auf dem Weg wirst. Es kann gar nicht anders sein. Deine äußeren Umstände sind immer ein Spiegel deiner inneren Verfassung. Sie zeigen dir, wer du in diesem Moment glaubst zu sein.
Wenn du also den Prozess des Werdens übergehst, wenn du die Schritte des Aufstiegs überspringen willst, dann beraubst du das Ergebnis seiner wesentlichen Substanz. Es mag äußerlich erreicht sein, doch es wird hohl sein. Es wird die Tiefe der Erfüllung vermissen lassen, die wir uns doch alle so sehr wünschen.
Deshalb geht es heute nicht um ein Ziel. Es geht um den lebendigen, atmenden, kostbaren Prozess, der du gerade bist. Es geht darum, deinen Blick auf die Schönheit dessen zu richten, wo du gerade stehst.
Dein Herz zu öffnen und wahrzunehmen, wie einzigartig, wie kostbar diese Phase ist. Sie wird sich nie wiederholen. Diese spezifische Konstellation von Gefühlen, Herausforderungen, Hoffnungen und dieser besonderen Müdigkeit – sie ist ein unwiederholbares Muster im Gewebe deines Lebens.
Doch die Person, die du wählst, in ihr zu sein, die Haltung, die du einnimmst, während du durch sie gehst, die trägst du mit dir weiter. Sie wird zu einer lebendigen Erinnerung, die nicht in der Vergangenheit liegt, sondern die fortwährend deine Gegenwart prägt. Sie wird zum Fundament, auf dem alles Weitere steht.
Die Metaphysik des Jetzt: Warum diese Phase alles ist
Um dies wirklich zu verstehen, müssen wir eine Schicht tiefer gehen. In der Sichtweise höherer Bewusstseinsebenen existiert nur ein einziger Moment: der gegenwärtige. Vergangenheit und Zukunft sind gedankliche Konstrukte, Projektionen, die wir über das ewige Jetzt legen.
Sie sind nützliche Werkzeuge, doch sie sind nicht die grundlegende Realität. Die grundlegende Realität ist das, was du jetzt erlebst. In diesem Moment fließt deine gesamte Schöpferkraft. In diesem Moment steuert deine Aufmerksamkeit, dein Fokus und vor allem deine gefühlte Emotion die Richtung deiner weiteren Erfahrung.
Stell dir das so vor. Du bist ein Sender, der fortwährend eine Frequenz aussendet. Diese Frequenz wird bestimmt von dem, woran du wirklich glaubst, und vor allem von dem, was du in diesem Augenblick fühlst. Deine Gefühle sind der Indikator dafür, welcher Überzeugung du gerade folgst.
Wenn du dich also in einer Phase befindest, die du als „schwierig“, „anstrengend“ oder „unfertig“ bewertest und dir nur wünschst, sie wäre vorbei, dann sendest du eine Frequenz des Mangels aus. Du sendest aus: „Hier ist es nicht gut. Das, was kommt, ist besser.“
Das Universum, das immer auf deine dominante Frequenz reagiert, antwortet darauf mit einem einfachen Prinzip. Es gibt dir mehr von dem Gefühl „Hier ist es nicht gut“. Es hält dich in Situationen, die dieses Gefühl bestätigen. Der Ausweg liegt nicht im Vorwärtsstürmen, sondern im vollständigen Annehmen und Ehren dessen, was ist.
Wenn du die Phase ehren kannst, verwandelst du deine Frequenz. Du sendest aus: „Auch hier ist Wert. Auch hier bin ich ganz. Ich erlaube mir, diesen Teil der Reise zu sein.“ Plötzlich verändert sich die Resonanz. Die Situation mag äußerlich gleich bleiben, doch deine innere Erfahrung von ihr verschiebt sich fundamental. Und von diesem neuen inneren Ort aus wird sich logischerweise auch deine äußere Realität neu organisieren.
Es geht also nicht um erzwungenen Positivismus. Es geht um das aufrichtige Erkennen, dass diese Phase ein notwendiger und perfekter Teil deiner Expansion ist. Sie ist die Antwort auf das, was du zuvor gesät hast, und sie ist gleichzeitig der Samen für das, was folgen wird.
Sie zu übergehen, wäre, als wolltest du eine Pflanze aus der Erde ziehen, um ihr Wachstum zu beschleunigen. Du würdest ihre Wurzeln zerstören. Die Phase, in der du dich befindest, ist die Wurzelbildung. Sie ist das, was später Stabilität und nährenden Halt gibt. Ohne sie kippt alles bei der ersten Brise.
Die Schönheit im Unfertigen entdecken

Wir sind darauf konditioniert, nach Abgeschlossenheit zu streben. Nach dem fertigen Produkt, der erreichten Position, der perfekten Beziehung, dem endgültigen Durchbruch. Doch das wahre Leben, die wahre Magie, spielt sich im Unfertigen ab.
In der Knospe liegt eine konzentrierte Kraft, die in der geöffneten Blüte nicht mehr zu spüren ist. Im Samen steckt das gesamte Potential des Baumes, zusammengepresst in eine stille, wartende Form.
Richte deinen Blick auf die Schönheit dessen, wo du gerade stehst. Das bedeutet, mit den Sinnen des Herzens wahrzunehmen. Was lernst du in dieser Phase über Geduld? Vielleicht lernst du, mit Ungewissheit zu ruhen. Vielleicht lernst du, deine eigene innere Stimme deutlicher zu hören, weil die äußeren Ablenkungen weniger geworden sind.
Vielleicht lernst du Demut. Vielleicht lernst du, um Hilfe zu bitten. Vielleicht lernst du, Grenzen zu setzen. Diese Lektionen sind die eigentlichen Schätze. Sie sind das Gold, das du aus dieser Mine mitnimmst.
Das äußere Ergebnis – der neue Job, die erfolgreiche Projekteinreichung, die harmonischere Beziehung – ist nur der Behälter, in dem du dieses Gold später aufbewahren wirst. Wenn du die Mine verlässt, ohne das Gold zu schürfen, ist der Behälter leer.
Öffne dein Herz. Spüre in diesen Raum hinein. Was ist das Besondere hier? Vielleicht ist es die Langsamkeit, die dir erlaubt, Dinge zu bemerken, die du im Laufschritt übersehen hättest. Vielleicht ist es die Herausforderung, die einen Muskel in dir trainiert, von dessen Existenz du gar nichts wusstest.
Nimm wahr, wie kostbar diese Phase ist. Kostbar, weil sie dir etwas schenkt, das unter anderen Umständen nicht zu dir kommen konnte. Eine tiefe mentale oder emotionale Struktur verändert sich selten im Sturm des Triumphs. Sie verändert sich in den ruhigen, scheinbar unspektakulären Momenten der Reflexion und des Innehaltens.
In der Phase, die du vielleicht als „Stillstand“ bezeichnen würdest, arbeitet dein Unterbewusstsein am intensivsten. Alte Muster lösen sich auf, neue neuronale Pfade werden gebahnt. Dies geschieht im Verborgenen. Es zu ehren bedeutet, diesem inneren Umbau zu vertrauen, auch wenn du äußerlich noch keine Blätter siehst.
Die lebendige Erinnerung: Wer du in diesem Moment wählst zu sein
Dieser Moment wird sich niemals wiederholen. Das ist eine tröstliche und gleichzeitig mächtige Wahrheit. Sie befreit dich vom Druck, alles perfekt machen zu müssen. Es gibt keine zweite Chance für diesen exakten Augenblick.
Also kannst du ihn nur auf eine Weise leben - deiner eigenen. Doch was du aus ihm mitnimmst, ist nicht die äußere Situation. Was du mitnimmst, ist die Person, die du warst, als du darin standest.
Bist du mit Mitgefühl mit dir selbst durchgegangen? Bist du mit Neugierde durchgegangen?
Bist du mit einem offenen Herzen und einem weiten Geist durchgegangen?
Oder bist du mit Widerstand, mit Verbitterung, mit Ungeduld durchgegangen?
Deine Wahl hier ist alles. Sie bestimmt nicht nur dein gegenwärtiges Erleben, sondern sie prägt die Erinnerung, die in deinem energetischen Feld gespeichert bleibt. Diese Erinnerung ist nicht statisch. Sie ist eine lebendige Frequenz, die du fortan mit dir trägst.
Wenn du später auf einen ähnlichen Moment triffst – und das wirst du, denn das Leben bewegt sich in Spiralen, nicht in geraden Linien – wirst du auf diese gespeicherte Frequenz zurückgreifen.
Hast du damals Widerstand gewählt, wird der Widerstand dein erster Impuls sein. Hast du damals Annahme und liebevolle Neugier gewählt, wird dies deine natürliche Reaktion sein.
Du baust dir also in dieser Phase dein zukünftiges Selbst. Nicht durch das, was du tust, sondern durch das, wie du bist. Durch die innere Haltung, die du kultivierst. Das ist die wahre Arbeit. Das ist die Transformation, die unter der Oberfläche stattfindet.
Wenn du diese Phase ehren kannst, dann ehrst und liebst du damit auch den Teil von dir, der gerade diese Erfahrung macht. Du integrierst ihn. Du machst ihn zu einem geliebten Teil deiner Geschichte, statt zu einem Kapitel, das du schnell überblättern möchtest.
Diese Integration ist der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Ein Leben, das nicht aus abgetrennten, verdrängten Fragmenten besteht, sondern aus einem ganzen, zusammenhängenden Selbst.
Die Praxis des Ehrens: Vom Begriff zur gelebten Erfahrung
Wie also wird aus dieser schönen Theorie eine gelebte, gefühlte Realität? Es beginnt mit bewusster Aufmerksamkeit. Jeden Tag, vielleicht gleich am Morgen oder in einem ruhigen Moment am Abend, kannst du eine einfache Übung machen. Atme tief ein und frage dich:
Was ist die einzigartige Gabe dieser gegenwärtigen Phase meines Lebens? Horche in dich hinein.
Die Antwort kommt vielleicht nicht als ausformulierter Satz. Sie kommt vielleicht als ein Gefühl, ein Bild, ein Wort. Vielleicht ist die Gabe „Loslassen“. Vielleicht ist sie „Stärke“. Vielleicht ist sie „Klärung“. Nimm diese Gabe an. Sage innerlich: „Ich erlaube mir, diese Gabe zu empfangen. Ich ehre diesen Teil meines Weges.“
Eine weitere mächtige Praxis ist das Führen eines Tagebuchs, das nicht den Fokus auf Produktivität oder Dankbarkeit im herkömmlichen Sinne legt, sondern auf die Würdigung des Prozesses. Schreibe nicht über das, was du erreicht hast, sondern über das, was du geworden bist.
Schreibe: „Heute habe ich gelernt, mit dem Gefühl der Unsicherheit zu sitzen, ohne sofort nach einer Lösung zu greifen. Das fühlte sich an wie…“ oder „Die Herausforderung mit X hat in mir einen Raum der Geduld geöffnet, der vorher nicht da war.“
Dadurch verlagerst du deine Wertung vom Ergebnis auf die innere Entwicklung. Du trainierst dein Gehirn darauf, den Prozess als den eigentlichen Ort des Geschehens zu sehen.
Und schließlich. Ändere deine Sprache. Anstatt zu sagen „Ich muss nur noch diese schwierige Phase überstehen“, probiere: „Ich befinde mich in einer Phase tiefer Vorbereitung und inneren Wachstums.“
Anstatt „Ich kann es kaum erwarten, bis das vorbei ist“, sage: „Ich bin gespannt, welche Weisheit ich aus diesem Kapitel mitnehmen werde.“ Deine Worte sind mächtige Schöpfer. Sie formen deine Überzeugungen und damit deine Realität.
Die Illusion der Zeit und die Ewigkeit des Augenblicks

Aus der Sicht des höheren Selbst gibt es keine lineare Zeit, in der du von einem mangelhaften Punkt A zu einem erfüllten Punkt B wanderst. Stattdessen existierst du in einem ewigen Jetzt, in dem du verschiedene Versionen deiner Selbst erfährst.
Die Version, die du „Zukunft“ nennst, ist bereits vorhanden – als eine potenzielle Realität, die auf deine gegenwärtige Schwingung wartet, um angezogen zu werden. Wenn du also die gegenwärtige Phase verurteilst und ablehnst, bleibst du in der Schwingung dieser Ablehnung gefangen und kannst die Version deiner Selbst, die in Freude und Fülle schwingt, gar nicht erreichen.
Du musst zuerst die Schwingung der Annahme, der Wertschätzung für den gegenwärtigen Standpunkt, einnehmen. Indem du diese Phase ehrst, machst du einen energetischen Sprung. Du richtest deine Frequenz auf eine Linie aus, auf der sich die Erfahrungen befinden, die du dir wünschst.
Das Ehren ist kein Erdulden. Es ist ein aktives, kraftvolles Ausrichten deines gesamten Seins auf den Fluss des Lebens. Es ist das Signal an das Universum: „Ich bin bereit. Ich nehme alles an, was zu meiner Expansion beiträgt. Ich vertraue der Reihenfolge meiner Erfahrungen.“
Dieser Moment, mit all seinen scheinbaren Begrenzungen oder Herausforderungen, ist die exakte Schnittstelle zwischen dem, was war, und dem, was sein kann. Hier, genau hier, liegt deine Macht. Nicht in der Vergangenheit, die du nicht ändern kannst, und nicht in der Zukunft, die noch nicht manifest ist.
Deine Macht liegt in der Bedeutung, die du diesem gegenwärtigen Erleben gibst. Gibst du ihm die Bedeutung von „Mangel“ oder „Hindernis“, wirst du mehr davon erschaffen. Gibst du ihm die Bedeutung von „wichtiger Schritt“, „notwendige Lektion“ oder sogar „verstecktes Geschenk“, erschaffst du eine völlig andere energetische Grundlage für deine nächsten Schritte.
Wenn der Weg das Ziel ist – im tiefsten Sinne
Letztlich führt uns all dies zu einer einfachen, aber tiefgreifenden Wahrheit. Der Weg ist nicht das Mittel zum Zweck. Der Weg ist der Zweck selbst. Das, was du suchst – das Gefühl von Erfüllung, von Frieden, von Ganzheit, von lebendiger Freude – kann nur im gegenwärtigen Erleben gefunden werden.
Es kann nicht in ein zukünftiges Ereignis gepackt werden. Wenn du glaubst, es käme mit der Beförderung, der Heirat, dem finanziellen Ziel, wirst du enttäuscht sein. Diese Ereignisse mögen angenehme Begleitumstände schaffen, doch das essentielle Gefühl, nach dem du dich sehnst, muss hier und jetzt geboren werden.
Es entsteht, wenn du dein Leben, in all seinen Phasen, als würdig und wertvoll ansiehst. Wenn du aufhörst, Teile davon wegzuwünschen.
Ehre diese Phase. Sie ist dein Lehrer. Sie ist dein Schmiedefeuer. Sie ist der Rohstoff, aus dem deine Weisheit geformt wird. Sie ist der dunkle Humus, aus dem deine nächste Blüte entspringen wird. Wenn du sie mit dieser Haltung betrachtest, verwandelst du alles.
Die Schwierigkeit wird zur Herausforderung, die Herausforderung zum Abenteuer, das Abenteuer zur Geschichte, die du eines Tages mit einem Lächeln erzählen wirst, weil du verstehst, dass sie dich zu dem Menschen gemacht hat, der du sein wolltest.
Beginne jetzt. Atme ein. Spüre den Boden unter deinen Füßen. Dieser Atemzug, dieser Herzschlag – das ist dein Leben. Es findet nicht morgen statt. Es findet jetzt statt. Und es ist vollkommen, genau so wie es ist, weil es der notwendige Schritt in der einzigartigen Evolution deines Bewusstseins ist.
Öffne dich dafür. Lasse es zu. Und beobachte, wie sich deine Welt von innen heraus verwandelt, wenn du anfängst, jeden Schritt der Reise zu lieben.
Dein nächster Schritt? Diese Weisheit nicht nur zu lesen, sondern zu leben. Wenn du bereit bist, diese Haltung der Annahme und kraftvollen Führung in jedem Bereich deines Lebens zu verankern und dabei von jemandem begleitet zu werden, der den Weg gegangen ist, dann lade ich dich zu einem persönlichen Gespräch ein.
Buche dein kostenloses, klärendes Kennenlerngespräch mit mir hier:
Gemeinsam ehren wir, wo du stehst, und entwerfen den Weg, der wirklich zu dir passt.
In Dankbarkeit,
Eduard




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